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Title: 28.1.2017 - 25 Jahre Bäckerei Schiano
Author: Jan Wiedenroth
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25 Jahre Bäckerei Schiano Bäcker-Ehepaar im Hehlentor trotzt dem Trend zur Massenproduktion SIEMS      0 CELLE. „Backen aus Tradit...

25 Jahre Bäckerei Schiano

Bäcker-Ehepaar im Hehlentor trotzt dem Trend zur Massenproduktion

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CELLE. „Backen aus Tradition“ – diesem Motto fühlen sich Bäckermeister Detlef Schiano und seine Frau Marianne verpflichtet, seit sich beide für eine Ausbildung im Bäckerhandwerk entschieden haben. Vor 25 Jahren, am 9. Januar 1992, wagten sie den Schritt in die Selbständigkeit und eröffneten ihr Geschäft an der Wittinger Straße. Am Samstag wurde das Jubiläum gemeinsam mit 140 Gästen in der Celler Congress Union gefeiert. Für die musikalische Begleitung sorgten Sabine Roth und Kai Thomsen von „Pour L’Amour“.
„25 Jahre sind eine lange Zeit. Als ich vor 30 Jahren meinen Meister machte, habe ich mir nicht vorstellen können, dass ich das so schaffen kann“, sagt Schiano. Der Trend zu Großbäckereien mache es den kleinen Bäckereibetrieben nicht leicht. 1992 habe es in Celle 48 backende Betriebe gegeben, heute seien es nur noch 20, so der Bäckermeister, der besonderen Wert auf die handwerkliche Tradition legt, nach der seine Backwaren noch heute hergestellt werden.
Die Tage und Nächte des 57-Jährigen müssen zeitlich gut durchgeplant sein, damit die Kunden jeden Morgen pünktlich ihr frisches Brot, knusprige Brötchen und leckere Kuchenspezialitäten bekommen. Um 1.30 Uhr ist für ihn die Nacht zu Ende – wenn so manch anderer erst ins Bett geht, steht Schiano schon wieder in seiner Backstube. Um dennoch genügend Schlaf zu bekommen, legt er sich mittags für zwei bis drei Stunden hin, bevor am frühen Abend dann schon wieder die Vorbereitungen für den nächsten Tag beginnen.
Ehefrau Marianne kümmert sich mittlerweile hauptsächlich um den Laden und das Büro. Anfangs hat auch sie mit in der Backstube gestanden. „Wir mochten die Massenproduktion nicht“, erklären die beiden, die sich bei der Arbeit kennengelernt haben, ihre Motivation für den Weg in die Selbstständigkeit vor 25 Jahren. Gemeinsam suchten sie nach einem kleinen Betrieb, den sie übernehmen könnten. Ihre Wahl fiel auf die frei werdende Bäckerei an der Wittinger Straße 77. Mit einer Gesellin und zwei Verkäuferinnen ging es damals los. Heute beschäftigt das Ehepaar Schiano zwei Gesellen, einen Helfer, einen Verkäufer, eine Verkäuferin, eine Auszubildende und zwei Mini-Jobber.
Die Qualität ihrer Backwaren steht bei den Schianos an erster Stelle. „Mein Mann ist Perfektionist. Wenn etwas nicht so gelungen ist, wie es sollte oder nicht gut aussieht, geht es nicht in den Verkauf“, so die 52-jährige Marianne Schiano, die seit Kurzem auch Ortsbürgermeisterin im Hehlentor ist. Ihnen seien immer mal wieder andere Bäckereien angeboten worden, letztlich haben sie sich aber bewusst dafür entschieden, nur ein Geschäft zu betreiben. „Wir wollen das hier gut und ordentlich machen, aber nicht auf Masse gehen“, so Schiano. Wenn von den Nachbarn augenzwinkernd der Hinweis kommt, man könne ja nachts kaum schlafen, da es so gut nach frischen Backwaren dufte, sieht sich das Ehepaar Schiano in seiner Arbeit bestätigt.
Neben der Nachbarschaft haben inzwischen auch Rundfunk und Fernsehen Bekanntschaft mit der umtriebigen Bäckerei gemacht. Als Marianne Schiano in einer Zeitung las, dass für eine Aktion des NDR ein Bäckereibetrieb gesucht wurde, schickte sie spontan (ohne das Wissen ihres Mannes) eine Bewerbung ab und wurde prompt ausgewählt. Sehr zur anschließenden Überraschung ihres Mannes und auch der Kundschaft wurde im Schaufenster der Bäckerei ein Bett aufgestellt, in dem der NDR 2-Moderator Uwe Bahn frühstückte und dabei seine morgendliche Sendung moderierte. Per Hörertelefon konnten die Hörer direkt in der Backstube anrufen – eine Aktion, die viele Schaulustige in die Wittinger Straße lockte.
Einige Überzeugungskraft kostete es die Bäckerin dann im Jahr 2014, ihren Ehemann für die Teilnahme an der ZDF-Show „Deutschlands bester Bäcker“ zu begeistern. Auch hier wurde das Ehepaar Schiano ausgewählt und schaffte es letztendlich bis unter die besten vier Teams aus Norddeutschland. „Das war einfach ein Erlebnis. Nachdem wir in der Sendung waren, haben uns die Leute den Laden eingerannt. Viele wollten kommen, um zu sehen, ob es hier wirklich so ist, wie es im Fernsehen zu sehen war“, erinnern sich beide an die aufregende Zeit vor knapp drei Jahren.
Der Betrieb hatte allerdings auch schwierigere Zeiten zu überstehen: Als die Stadt Celle Ende der Neunzigerjahre die Kanalisation in der Wittinger Straße erneuerte, fanden wegen der langen Bauphase zeitweise bis zu 90 Prozent weniger Kunden den Weg in die Bäckerei. „Wir dachten schon, wir schaffen es nicht“, erzählt Marianne Schiano. Sie haben es geschafft und sich im Jahr 2000 dazu entschlossen, den Laden komplett zu renovieren und einen kleinen Café-Bereich zu integrieren, in dem bis zu zwölf Personen frühstücken, Kuchen essen oder einfach nur einen Kaffee trinken können.
Fotos: Peter Müller
Quelle: celleheute.de

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