Jan Wiedenroth Jan Wiedenroth Author
Title: Peine - Neustadtmühle (Knüppel's Mühle)
Author: Jan Wiedenroth
Rating 5 of 5 Des:
Baujahr/Ersterwähnung
1622

Gebäudetyp
Wassermühle

Mühlenart
Getreidemühle

Betriebszustand
Im Januar 1965 den gewerblichen Betrieb eingestellt

Heutige Nutzung
Mühlengebäude 1981 abgerissen


Geschrieben von Jan Wiedenroth: Durch Zufall habe ich herausgefunden das in Peine einmal eine größere Mühle gestanden hat die 1981 abgerissen wurde. Die Neustadtmühle, von den Einheimischen auch Knüppel's Mühle genannt. 1990 erschien eine 140 Seitige Chronik über die Mühle, die ich bis jetzt leider noch nirgends wo entdecken konnte. Ich hoffe das ich in dieser Chronik noch mehr über die Mühle raus finden kann. Wie man auf den Bildern sehen kann muss die Mühle von der Baustruktur und ich vermute auch mal von der Einrichtung und Mahlleistung, so ziemlich gleich wie die Gifhorner Mühle zu der damaligen Zeit gewesen sein.

Ein Jahrhundert lang gehörte die Neustadtmühle als wichtiger Faktor zur Peiner Wirtschaft. In Dokumenten ist die Mühle 1622 erstmals genannt, jedoch dürfte sie auch wesentlich älter sein. Frühere Dokumente wurden wahrscheinlich bei den beiden großen Stadtbränden im 16. Jahrhundert vernichtet worden sein.

Am 29. Oktober 1868 ersteigerte Wilhelm Knüppel die Neustadtmühle für 9595 Thalern und erwarb neben der Mühle und ihren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, dazugehörige Gärten, Äcker und Wiesen. So betätigte sich Wilhelm Knüppel auch Landwirtschaftlich und verkaufte Stangen für den Anbau von Erbsen, Stroh, Kalbfleisch, Butter, Milch und sogar Mist.
Mit der Mühle ging es Aufwärts und Knüppel stellte 1873 von der Lohnmüllerei zur Handelsmüllerei um, kaufte also Getreide ein und verkaufte das Mehl weiter. In der Mühle wurden auch Nachtschichten eingeführt um auf Vorrat zu mahlen, falls einmal eine Wasserarme Zeit einbrach.

1904 übergab Wilhelm Knüppel die Mühle seinen Söhnen Wilhelm und Otto und baute für sich das noch heute stehende Wohnhaus westlich der Fuhse, die ,,Knüppelsche Villa'' in der er aber nicht mehr lange leben sollte, denn Wilhelm Knüppel sen. starb am 29. Mai 1905 im alter von 67 Jahren.
Die Brüder Wilhelm und Otto hinterließen keine männlichen Erben, die die Mühle hätten übernehmen können, lediglich Wilhelm hatte einen Sohn der jedoch nach Südamerika auswanderte.
Ottos Tochter Margarete heiratete am 31. Januar 1931 den aus Schlesien stammenden Diplom-Ingenieur Otto Scheiblich, der 1957 Geschäftsführer der Mühle wurde.

Knüppel's Mühle auf einer Postkarte.

Die Neustadtmühle 1935.

In der Folgezeit machte der Strukturwandel in der Landwirtschaft den Mühlen zunehmend zu schaffen, so das Otto Scheiblich mit Richard Vetter, der eine Brotfabrik in Dungelbeck betrieb, ins Gespräch kam einen Kontrakt mit ihm abzuschließen. Da Vetter aber unter Ausnutzung der modernen Technik das Brot rationell in Massen herstellte und es als Billigware an die Geschäfte und Supermärkte verkaufte, war die Stimmung der umliegenden Handwerksbäckern so gereizt das die Neustadtmühle keinen Kontrakt mit Vetter einging. Das Risiko war zu groß das die Bäckereien von der Neustadtmühle kein Mehl mehr kauften.

Luftaufnahme der Neustadtmühle 1950.

Die Mühle 1960.

Die immer schlechter werdende Lage der Mühlen einerseits und der von der Vetter-Fabrik ausgehende Wettbewerbsdruck auf die Bäcker, ließ Scheiblich den Plan aufrufen zusammen mit den Bäckern des Kreises Peine eine Gemeinschaftsbäckerei an der Mühle zu errichten. Scheiblichs Projekt scheiterte dann kurz vor dem Bau, wobei auch die städtischen Planungen für den Fuhsering hineinspielten, die auf das Gelände nördlich der Mühle zurückgriffen, dort wo die Gemeinschaftsbäckerei eigentlich errichtet werden sollte.
Stattdessen setzte sich mehr und mehr die Überzeugung durch, die Mühle müsse aus verschiedenen Gründen stillgelegt werden. Im Januar 1965 dann, drehten sich die Walzen in der Neustadtmühle zum letzten mal. Bis zum 1. Juli 1972 wurde die Mühle noch an die Landwirtschaftliche Ein- und Verkaufsgenossenschaft verpachtet und dann endgültig leer geräumt.

Trotz intensiver Bemühungen fand sich keine Möglichkeit das Mühlengebäude sinnvoll zu nutzen, so das es im Sommer 1981 abgerissen wurde. Heute steht auf dem Grundstück ein Alten- und Pflegeheim.

1970. Foto: Adolf Stephan

Die Neustadtmühle im Winter in den 1970er Jahren.

About Author

Advertisement

Kommentar veröffentlichen

 
Top