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Title: Schulenburg - Calenberger Mühle
Author: Jan Wiedenroth
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Baujahr/Ersterwähnung
13. Jh. heutiges Gebäude 1871 bis ca. 1960 erweitert

Gebäudetyp
Wassermühle, Industriemühle

Mühlenart
Getreidemühle

Betriebszustand
1985 den gewerblichen Betrieb eingestellt.

Heutige Nutzung
Nutzung der Gebäude von JRS-Prozesstechnik, Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung

Geschrieben von Rüdiger Hagen, Jan Wiedenroth: Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Mühle erstmals als herrschaftliche Mühle zur Feste Calenberg gehörend genannt. Ende des 16. Jahrhunderts kam die Mühle nach Übernahme des Landes Calenberg durch die Herzöge von Braunschweig - Wolfenbüttel in deren Besitz. Damals erfolgte im Auftrag des Herzog Julius ein Neubau als Großmühle mit 12 Mahlgängen, worauf ein steinernes Wappen mit dem Spruch ,,Calenberger Myle bin ich genant, dergleichen nich in dyssem Land'' in der Mauer hinweist. Die Mühle war über 500 Jahre Zwangsmühle für 60 Dörfer der Umgebung.

Vor 1751 fand abermals ein Neubau statt, wie ein zweiter Wappenstein Georgs II. in der Wand aufweist. Die Mühle wurde von der Hannoverschen Regierung fortwährend an einzelne Müller verpachtet. Sie war zwar die größte weit und breit, doch auf Grund ihrer Berechtigung als Zwangsmühle technisch über die Folgejahrzehnte nicht verändert worden.

Mit Aufhebung des Mahlzwanges unter der Napoleonischen Herrschaft 1806 bis 1813 gerieten die Mühlenpächter immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten. 1871 ging die Pacht an Ernst Malzfeldt von der Mühle in Sarstedt über, der Gebäude und Mühlentechnik stetig vergrößern ließ.
Unter den Familien Malzfeldt und Bremer erfolgte der Ausbau zur Industriemühle in den nächsten Jahrzehnten, obwohl letztere erst 1940 die Anlage kaufen konnten.

Die Calenberger Mühle um 1910. Foto: AGK-Mühlenbau Braunschweig

In den 1950er Jahren bestand die Anlage aus einer Weizenmühle mit 65 Tonnen und einer Roggenmühle mit 35 Tonnen Tagesleistung, zudem wurden täglich etwa 10 Tonnen Backschrot hergestellt. Der Antrieb bestand aus einer Francis-Zwillingsturbine von 600 PS und einer einfachen Francis-Turbine von 300 PS Leistung. Eingerichtet war die Mühle damals mit 32 doppelten Walzenstühlen von Amme, Giesecke & Konegen, Braunschweig (die Vorgänger der MIAG), 18 Plansichtern, 3 Schrotgängen sowie den üblichen Reinigungs-, Misch- und Grießputzmaschinen.
Der Gebäudekomplex gliederte sich in Mühle mit Turbinenhaus, Mischerei und Mehlsilo, Getreidesilo und Bahnverladung.

Kurze Zeit nachdem Familie Malzfeldt 1965 die Mühle in Sarstedt stillgelegt hat, ging der Betrieb an die Gebrüder Bremer über. Nachdem auch sie sich in den 1970iger Jahren zur Ruhe gesetzt hatten, kaufte die Rolandmühle in Bremen die Mühle. Am Zweigkanal in Hildesheim sollte ein Getreideumschlagplatz gebaut werden, für den der Bahnanschluss schon bestand und die veraltete Technik der Mühle sollte modernisiert werden. Nachdem sich in Bremen aber die Gesellschafter verändert hatten, kam es unter ihnen zu keiner Einigung mit der Modernisierung der Calenberger Mühle und wurde somit 1985 ganz kurzfristig stillgelegt. Bis dahin hatte die Mühle eine Leistung von 300 Tonnen am Tag.

Manch einer wundert sich vielleicht warum oft noch, durch Hannovers Straßen fahrend, ein Silozug mit der Aufschrift ,,Calenberger Mehl'' 30 Jahre nach der Stilllegung der Mühle gesehen wird? Die Marke aus der Calenberger Mühle wurde in Bremen mit übernommen und von der Rolandmühle weiterhin vertrieben. Heute wird ein Teil des Mühlengebäudes von der Firma JRS-Prozesstechnik genutzt.

Reste der Einrichtung 1997. Foto: Wolfgang Neß

Die Marke ,,Calenberger Mehl'' wird heute weiterhin von der Bremer Rolandmühle vertrieben.

Die Mühle im Frühjahr 2015. Foto: Jan Wiedenroth

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