Jan Wiedenroth Jan Wiedenroth Author
Title: Sievershausen - Mühle & Landhandel Vasterling
Author: Jan Wiedenroth
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Baujahr
Bockwindmühle 1877, Motormühle 1948

Gebäudetyp
Erst Bockwindmühle, später Motormühle und Landhandel

Mühlenart
Getreidemühle, Landhandel

Betriebszustand
Bockwindmühle abgerissen, Motormühle für Getreideumschlagung umgebaut

Heutige Nutzung
Landhandel, Getreidelagerung



Der Mühlenbesitzer C. Lüderitz aus Adenbüttel im LK Gifhorn, stellte im April 1877 den Antrag beim Königlich Preußischen Amt Burgdorf, auf Errichtung einer Kornwindmühle in der Feldmark Sievershausen.
Dafür hatte er 3 Morgen Land von dem Köthner H. Bergfeld aus Sievershausen gekauft.

Die Chancen für den Antragsteller waren jetzt günstiger, den 1869 war mit der neuen Gerwerbeordnung für die Provinz Hannover die Gewerbefreiheit eingeführt worden.
Am 22. Juni 1877 erhielt C. Lüderitz die Erlaubnis zur Errichtung einer Bockwindmühle entsprechend dem eingereichten Situationsplan.
Er hat die Mühle auch sofort bauen lassen, denn auf Anfrage teilte der damalige Ortsvorsteher Reupke aus Sievershausen dem Burgdorfer Amtmann mit, das die Mühle im Dezember 1877 fertig gestellt wurde und der Müller einen Gehilfen angestellt hatte.

Die alte Bockwindmühle von Sievershausen. Foto: Famile Vasterling

Bis 1900 wechselte die Mühle noch drei mal ihren Besitzer. Um 1884/1885 verkaufte C. Lüderitz die Mühle an einem August Behrens, welcher sie 1888 an seinem Sohn Friedrich Christoph Behrens übergab.
Der Landwirt Edmund Lüders aus Arpke erwarb das Mühlengrundstück 1900 und verpachtete es an Robert Vasterling aus Evern. Seit diesem Jahr beginnt die über 100-Jährige Firmengeschichte der Mühle und des Landhandels Vasterling.

1906 Heiratete Robert Vasterling, Ella Buchholz aus Sievershausen. Sie bekamen drei Jungen und ein Mädchen.
1914 wurde Robert Vasterling zum ersten Weltkrieg eingezogen und die Mühle stand nun vier Jahre still.
Als der Soldat aus dem Krieg wieder heim kehrte, fand er seine Mühle in einem sehr reperaturbedürftigen Zustand vor. Um den Betrieb wieder in Gang zu bringen, pachtete er während der Reperaturzeit die Wassermühle in Oelerse.
Mit Pferd und Wagen wurde nun das Schrotgetreide zum mahlen nach Oelerse gefahren und wieder zu den Bauern zurück gebracht. Aber das mühsam verdiente Geld wurde durch die Inflation entwertet, die überlangen Arbeitstage waren umsonst gewesen.

Mit Pferd und Wagen wurde das Schrot und Mehl zu den Kunden gebracht. Foto: Famile Vasterling

1924 begann die neue Rentenmark zu wirken und man durfte wieder planen und hoffen. An der Sievershäuser Windmühle musste das Flügelkreuz erneuert werden, hierfür waren 4000 Rentenmark nötig. Auch wurde ein Deutz-Motor eingebaut um an Windarmen Tagen mahlen und schroten zu können.

1939 wurden alle drei Söhne in den zweiten Weltkrieg eingezogen, worauf Robert Vasterling mit Ehefrau Ella und einen Polnischen Kriegsgefangenen, bis zum Kriegsende allein in der Mühle standen. Zwei von drei Söhnen des nun mittlerweile 66 jährigen Müllers kamen nicht mehr aus dem Krieg wieder, sie blieben bis heute vermisst.

Foto: Famile Vasterling

Somit heiratete der 3. Sohn Edmund, Ilse Bendorf aus Mehrum und übernahm 1947 das Geschäft.
1948 wurde neben der Windmühle eine Motormühle gebaut, um die Produktion durch neuzeitliche elektrische Anlagen zu erhöhen. Am 31. Oktober 1949 brannte das Wohnhaus ab und es wurde vom Nachbar das Grundstück dazu gekauft auf welches ein neues Wohnhaus mit Bürogebäude errichtet wurde.

Die Bockwindmühle mit der neu errichteten Motormühle 1948. Foto: Famile Vasterling

1952 begann Robert Vasterling mit dem Vertrieb von Düngemitteln. 1955 wurden die Betriebsanlagen durch den Bau von Lagerräumen für Dünger und Futtermittel erweitert. Ebenso wurde ein großer frostsicherer Kartoffelkeller gebaut.

Am 20. August 1959 erlitt die Familie Vasterling einen großen Schlag als Edmund bei einem Unfall ums Leben kam. Da die Kinder noch nicht Erwachsen waren, musste die Witwe den Betrieb alleine weiter leiten.

1961 wurde am Mühlengebäude ein Beton-Silo für 250 t Getreide gebaut. 1963 wurden zwei Getreideverladezellen von jeweils 20 t Fassungsvermögen gebaut um die Organisation des Getreideumschlages zu ergänzen.

1972 wurden zwei Stahl-Rundsilos für 200 t Getreide gebaut. 1973 und 1974 wurde eine Lose-Verladung, Sortier- und Verladebänder für Kartoffeln und eine 30 t LKW-Waage gebaut.

Der Betrieb in den 1970er Jahren. Foto: Famile Vasterling

Der in den 80er Jahren angeschaffte Palettierer sorgte als erstes Gerät dieser Art in Deutschland für großes Aufsehen. Geschäftsführer anderer Firmen, Landwirte und technisch interessierte Leute kamen auf das Betriebsgelände, um diese Maschine in Aktion zu sehen.
In den folgenden Jahren zeichnete sich der Kartoffelhandel als eins der Hauptstandbeine des Unternehmens aus.

Das Jahr 2000, in dem das 100 jährige Jubiläum des Familienbetriebes gefeiert werden sollte, wurde jedoch vom Tod der langjährigen Firmeninhaberin Ilse Vasterling überschattet, wodurch die 100 Jahr Feier abgesagt wurde.

Der Betrieb heute mit der Motormühle mitten drin. Foto: Famile Vasterling

Geschrieben von: Jan Wiedenroth

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